Dämpfigkeit, RAO, COPD, & Co beim Pferd

Heute gibt es wieder harte Fakten zur Pferdegesundheit bei tiergezwitscher. Während sich alle Katzen in diesen kalten Nächten die kuscheligsten und mitunter kuriosesten Schlafplätze suchen (…hoffentlich immer verfolgt von ihren mit Kamera bewaffneten Besitzern, um den besten Schnappschuss für unseren Fotowettbewerb zu landen…), genießen viele Pferde die letzten Tage auf der Weide. Und es sind die besten Tage des Jahres für die Allergiker-Pferde: Keine Insekten, keine Pollen, keine Heumilben, keine Schimmelpilze.

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Viele Begriffe, eine Erkrankung

In meinen Beitrag über Allergien bei Pferden hatte ich ja bereits angekündigt, über RAO schreiben zu wollen. Pferde mit RAO haben diesen chronischen, trockenen Husten, den vermutlich leider jeder schon mal irgendwo gehört hat. RAO steht für Recurrent Airway Obstruction und löst allmählich die Begriffe COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) bzw. COB (Chronisch obstructive Bronchitis) ab. Diese Begriffe bezeichnen im Grunde dasselbe. Es werden darunter alle Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, auf die folgende Kriterien zutreffen:

  • Husten
  • Vermehrte Schleimbildung in den Atemwegen (häufig ein zäher Schleim)
  • Leistungsschwäche
  • Keine Infektion mit Krankheitserregern
  • Bestehen der Symptome für mindestens 6 Wochen oder länger

Im Verlauf der Erkrankung kann irgendwann der Zustand der Dämpfigkeit auftreten. Dämpfigkeit kennt man noch als Gewährsmängel von der Reitabzeichenprüfung. Was das genau ist, erkläre ich später.

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Die Atemwege des Pferdes

Zum besseren Verständnis ein kleiner Exkurs in die Anatomie der Atmung: Atemluft strömt durch die Nüstern, Rachen, Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich in zwei Hauptbronchien auf, die sich wie Äste eines Baumes immer weiter verzweigen. Am Ende münden die kleinen Bronchiolen in die Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet: Sauerstoff wird in das Blut aufgenommen, Kohlendioxid wird in die Atemluft abgegeben.

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Selbstreinigung oder Clearance

Die Atemwege verfügen über verschiedene, normalerweise sehr effektive Methoden, eingedrungene Fremdstoffe und Krankheitserreger wieder zu beseitigen:

  • Sie sind von einer Schleimhaut ausgekleidet, die feine, bewegliche Härchen trägt. Diese Härchen sorgen mit einem Wellenschlag dafür, dass Fremdstoffe wieder hinausbefördert werden.
  • Die Schleimhaut produziert einen flüssigen Schleim, der das Ausschwemmen der Fremdstoffe erleichtert.
  • Um die Bronchien und Bronchiolen herum ist Muskulatur angeordnet. Zieht sich die Muskulatur zusammen, ist der Durchgang der Atemwege verkleinert oder sogar vollständig versperrt. Außerdem ermöglicht die Muskulatur Husten, um Fremdstoffe gleich ganz hinaus zu befördern.

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Wie kommt es zu RAO, COPD und Dämpfigkeit bei Pferden?

Viele Ursachen können schlussendlich zu RAO führen. Stallhaltung, Heufütterung und mangelnde Bewegung tragen einen großen Teil dazu bei, dass etwa die Hälfte aller Pferde über 14 Jahren bei uns mehr oder weniger von RAO betroffen sind.

Im Einzelnen tragen folgende Faktoren dazu bei:

  • Schimmelpilze
  • Staub
  • Ammoniak und andere Schadgase aus der Einstreu
  • Heustaubmilben
  • Heuallergie
  • Pollenallergie
  • Verschleppte Infektionen der Atemwege
  • mangelnde Bewegung

Die Atemwege reagieren mit Überempfindlichkeit auf diese Faktoren und verlieren allmählich ihre Selbstreinigungsfunktion. Die Schleimhaut schwillt an und produziert mehr und zähflüssigeren Schleim, der schlecht abgehustet werden kann. Die Härchen verkümmern. Die Muskulatur um die Bronchien zieht sich zusammen (Bronchospasmus), um den zähen Schleim loszuwerden. Das klappt aber nicht wirklich und verengt die Atemwege nur zusätzlich. Nun wirken die verengten Atemwege wie ein Ein-Wege-Ventil: Atemluft kann noch ganz gut einströmen, aber nur mit Mühe ausgeatmet werden. Daher benutzen die Pferde ihre Bauchmuskulatur zum Ausatmen. Das sieht man dann als sogenannte Dampfrinne an der seitlichen Bauchwand. Man erkennt die angestrengte Atmung auch an den geblähten Nüstern und am Anus, der sich atemsynchron einzieht. Es bleibt aber trotz aller Bemühungen immer mehr Luft in den tiefen Atemwegen zurück. Diese Luft führt zu einer Aufblähung der Lungenbläschen, die schließlich zerstört werden. Dies nennt man dann ein Lungenemphysem und ein Pferd mit einem Emphysem ist dämpfig. Ein Emphysem betrifft am Anfang nur Teile der Lunge, kann aber immer größer werden und schließlich zum Ersticken des Pferdes führen.

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Wie kann ich vorbeugen?

Haltungs- und Fütterungsoptimierung sind das A und O, wie schon bei der Heuallergie. Gut sind:

  • ganzjährige Weidehaltung (außer bei Pollenallergie)
  • gute Belüftung im Stall
  • Außenbox
  • häufiges Misten
  • viel Bewegung verflüssigt den Schleim und sorgt für gute Belüftung der Atemwege
  • Anfeuchten des Heus (oder Heubedampfer)
  • Fütterung von staubarmer Silage
  • kein Stroh im Stall (Späne, Pellets, Torf u.a. verwenden)
  • Staubfreies Kraftfutter
  • Infektionen restlos auskurieren
  • Pferd raus aus dem Stall bei allen staubigen Arbeiten

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Fazit

Leider lässt es sich nicht immer verhindern, dass ein Pferd RAO bekommt und auch eine optimale Pferdehaltung ist nicht immer durchführbar. Aber jeder einzelne Faktor ist eine kleine Stellschraube, mit der ich versuchen kann, auch aus nicht optimalen Haltungsbedingungen noch das Beste zu machen. Man sollte einfach immer im Kopf haben, dass Pferde für ständige Bewegung an frischer Luft gebaut sind und nicht für Rumstehen im stickigen Stall. Und dass es immer noch Leute gibt, die in geschlossenen Ställen rauchen, finde ich einfach unglaublich. Denn jede Form von Staub, Qualm und sonstigen Reizstoffen schädigt die Atmungsorgane unserer Pferde…

Liebe, atemfrische Grüße
Uta
Notizzettel_RAO

3 Kommentare

  1. pigely@t-online.de'
    Christiane sagt:

    Meine Stute ist auch ein COB-Pferd. Und das seit 25 Jahren. Eine vom Tierarzt unterschätzte Bronchitis im Fohlenalter hat ihr das wahrscheinlich eingebrockt. Oft waren die Atemnotanfälle so heftig, dass wir ans Einschläfern dachten. Und das alles trotz bester Haltungsbedingungen. Im Moment hält sie sich wacker.
    LG Christiane

    • Uta sagt:

      Liebe Christiane,
      dann wünsche ich dir weiterhin ganz viel Glück mit deiner Stute und dass sie dir noch lange erhalten bleibt!!!
      Viele Grüße Uta

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