FORL – Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen (oder Necklesions oder Katzenkaries)

Uta hat Stress. Richtig großen Streß. Richtig guten Stress. UMZUGSSTRESS! Ich freue mich sehr über diesen Stress da er bedeutet, dass uns zukünftig nicht mehr 151 km sondern nur noch 800 m trennen werden. Deswegen berichte ausnahmsweise ich über ihre Katze Nelly und ihre Krankengeschichte.

Katze mit FORLBereits vor einigen Monaten wurde Nelly zunehmend mäkelig mit dem Futter – ansonsten bei ihr eher ungewohnt. Sie saß zwar vor dem Napf, fraß aber eher zögerlich. Sie nahm ab und das Maul war immer mal wieder mit Futter oder Speichel verschmiert. Diese Symptome gibt es auch mal, wenn hochgradig Zahnstein vorliegt, aber dann stinkt das Maul auch und den Zahnstein und die daraus folgende Zahnfleischentzündung kann man bei den meisten, einigermaßen friedlichen Katzen auch bei einer gründliche Untersuchung des Mauls entdecken.

Bei Nelly war eine kurze Allgemeinanästhesie (Narkose) notwendig, um eine Diagnose zu stellen und auch gleich zu behandeln: Sie leidet an FORL.

Was ist FORL?

FORL ist die Abkürzung für Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen. Im englischsprachigen Raum wird diese Erkrankung als Necklesions bezeichnet und früher nannte man sie einfach Katzenkaries. Anders als bei Karies beginnt FORL allerdings nicht an der sichtbaren Zahnkrone, sondern meist in dem Zahnbereich, der von Zahnfleisch bedeckt ist.

Ursachen für FORL

Ganz genau sind die Ursachen für die Entstehung von FORL noch nicht geklärt. Man weiß inzwischen, dass Odontoklasten (Odonto= „den Zahn betreffend“ , Klasten= „Abbauer“) am Krankheitsgeschehen maßgeblich beteiligt sind. Diese sollen eigentlich nur die kleinen Wurzeln der Milchzähne abbauen, so dass die bleibenden Zähne nachschieben können. Dazu bauen die Odontoklasten Kalzium aus den Zahnwurzeln ab, diesen sind dann geschwächt und der Milchzahn fällt aus. Und Kalzium bauen Odontklasten auch ab, wenn einen Katze an FORL leidet, nur dann leider aus den bleibenden Zähnen. Da bei diesem Vorgang Kalzium gewonnen wird, könnte man meinen, das bei erkrankten Katzen ein Kalzium-Mangel (oder eine Verschiebung des sehr wichtigen Kalzium-Phosphor-Stoffwechsels) vorliegt, aber warum wird dann nicht einfach Kalzium aus den Knochen gewonnen, das scheint mir doch viel einfacher und davon gibt es ja auch viel mehr? Und da jede 2. bis 4. Katze heutzutage an FORL leidet, glaube ich auch nicht an die Theorie, dass so viele Katzen einen unentdeckten Kalzium-Mangel haben. Auch Stress, Viren, hormonelle Dysbalance, chronische Zahnfleischentzündungen und Autoimmunerkrankungen sind immer mal wieder aus Auslöser oder zumindest fördernde Ursache im Gespräch, aber ganz genau weiß man es tatsächlich noch nicht. Betroffen sind vor allem Katzen ab dem 5. Lebensjahr.

Symptome von FORL

Leider bauen die Odontoklasten das Kalzium selten an der sichtbaren Zahnkrone ab, sondern hauptsächlich versteckt unter dem Zahnfleisch. Erst bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf sind die Läsionen bei einer normalen Untersuchung sichtbar. Meist werden sie bei der Entfernung von Zahnstein unter Narkose entdeckt. Für Katzenhalter sind hauptsächlich Zahnfleischentzündungen und Zahnschmerzen (also Futterverweigerung oder verändertes Fressverhalten) auffällige Symptome.

Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen bei einer Katze

Behandlungsmaßnahmen bei FORL

Es gibt nur eine Therapiemöglichkeit: Zähne ziehen! Und zwar irgendwann meist alle, da es sich um ein fortschreitendes und wiederkehrendes Krankheitsgeschehen handelt. Wenn die Katze in Narkose liegt, sollte gleich der gesamte Kiefer geröngt werden, damit auch kleine Läsionen sofort erkannt  und die betroffenen Zähne gleich mitgezogen werden können. So erspart man der Katze viele Zahnschmerzen und eine weitere Narkose. Manchmal sind Zähne auch bereits abgebrochen und die Stelle ist mit Zahnfleisch überwuchert, auch dann sind Röntgenbilder sinnvoll um eventuelle Zahnreste (Schmerzen!) sichtbar zu machen.

Kann man FORL vorbeugen?

Ziemlich sicher meint man zu wissen, dass chronische Entzündungen des Zahnfleisches an der Entstehung von FORL beteiligt sind. Diesen will man ja sowieso nicht in einem Katzenmaul haben (warum steht hier), daher sollte man diese auf jeden Fall vermeiden. Regelmäßig einen Blick ins Maul zu werfen schadet daher nie, auch wenn euer Tierarzt das bei der jährlichen Impfung hoffentlich auch macht!

Zahnlose Katze?

Auch ohne Zähne kann eine Katze Trockenfutter fressen (die Kroketten werden dann am Gaumen zerkleinert) und Mäuse fangen. Ich stelle mir nur vor, dass das Spiel mit der Maus dann noch länger dauert…. Arme Mäuse!

Viele Grüße von
Julia (vorfreudig), Uta (packwütig) und Nelly (zahnlos)

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