Igel-Unterschlüpfe für den Winter

Wie vermutlich alle Gartenbesitzer bin ich gerade dabei, unseren Garten auf den Winter vorzubereiten. Dazu gehören neben so schönen Dingen wie rosa Tulpenzwiebeln einbuddeln leider bei uns auch das Harken einer sehr großen Menge Lindenblätter. Da ich dabei nun allerdings von meinen Bienenvölkern im nächsten Frühjahr träumen kann – die uns hoffentlich Unmengen von Lindenblütenhonig bescheren werden –  geht mir es dieses Jahr bisher ganz gut von der Hand (treue Leser wissen natürlich um meine Vorbereitung zur Imkerin, ansonsten gerne hier und hier nachlesen).
Der Igel soll Winterschlaf halten, bis die Tulpen blühen.

Nur wohin mit den Blättern? In Säcke stopfen finde ich sehr mühsam, für den Kompost sind es zu viele und vom Verteilen unter den Rhododendren haben mir wegen Übersäuerung gleich mehrere Nachbarn abgeraten. Seitdem wir vor zwei Jahren einen Igel zum Überwintern im Haus (also in meinem Arbeitszimmer) hatten, baue ich mit diesen Blättern an verschiedenen Stellen des Gartens Igel-Unterschlüpfe. Dieser Igel wurde uns von einer vollkommen überfüllten Igel-Station anvertraut. Wir tauften ihn Karlchen und pflegten ihn hingebungsvoll und genau nach Anleitung. Dazu gehörten viele Mahlzeiten, viele Arzneimittel-Applikationen, viele Käfigsäuberungen, die Erschaffung vieler verschiedener Klimazonen (erst immer eine Wärmflasche unter einer Kartonecke, später ohne, nächster Schritt Waschküche, später Waschküche mit offenem Fenster, dann Gartenlaube) und viel Liebe. Trotzdem versuchte er jede Nacht, sich durch den Karton-Käfig zu fressen, war sichtlich unglücklich mit seiner Gefangenschaft, stank fürchterlich und wachte am Ende des Winterschlafes leider nicht mehr auf. Das Foto von Karlchen hat leider eine schlechte Qualität, da hatte ich noch keine gute Kamera und der Igel hielt wirklich nicht eine Sekunde still.

Igel: Winterschlaf im Haus
Uta beherbergte übrigens zur gleichen Zeit einen Igel, stellte ihn einfach in ihren Kriechkeller und holte ihn dort irgendwann im Frühjahr wieder lebend ab.

Unser Igel-Erlebnis war also ziemlich deprimierend. Wir haben uns dann noch darum beworben, unser Grundstück zu Auswilderungszwecken zu benutzen, aber die Dame der Igel-Station fand es bei uns so wild, dass sie zu viele Marder vermutete, die die mühsam über den Winter gepäppelten Igel gleich killen würden.

Wie also Igel in den Garten locken?

Da ich mir allerdings sehnlichst wünsche, mal eine Igelfamilie über unseren Rasen laufen zu sehen und nie wieder einen Igel in meinem Arbeitszimmer haben möchte, bemühe ich mich seitdem intensiv um adäquate Unterschlüpfe in unserem Garten. Und dazu harke ich erst einen kleinen Blätterhaufen in irgendwelchen Gartenecken oder an Baumstümpfen zusammen. Dann sammeln im Idealfall die Kinder leichte Stöcke im Wald, die wir wie für ein Tipi über die Blätter stellen. Und anschließend machen wir wieder einen riesigen Blätterhaufen oben drauf. Wer meiner Anleitung nicht traut, es gerne etwas professioneller mag oder ein richtiges Haus bauen möchten, findet bei Pro Igel verschiedene Anleitungen für Igelhäuser und -unterschlüpfe. Und der NABU bietet sogar eine Video-Anleitung zum Bau eines Igelhauses.

Und was haben wir im letzten Frühjahr in einem solcher Igel-Unterschlüpfe gefunden? Keine Spuren eines Igels, sondern die Eier unserer alten Henne! Wir haben ja immer vermutet, dass sie die Eier irgendwo versteckt, aber obwohl alle Kinder der Nachbarschaft intensiv gesucht haben, um einen Eisbecher spendiert zu bekommen, haben wir nie ein einziges Ei von ihr gefunden.

Versteckte Hühnereier

Bei Pro Igel gefällt mir besonders der Hinweis, dass „naturnahe Gartengestaltung und Bewirtschaftung die beste Voraussetzung bietet, damit Igel sich einnisten“. Und so verbringe ich mit gutem Gewissen und voller Hoffnung mehr Zeit mit Tulpenzwiebeln als mit dem Aufräumen im Garten. Und das bis Mitte Mai – denn viele Igel schlafen tatsächlich so lange, deswegen kann man auch nicht schon im März mit dem „Großreinemachen“ beginnen. Lauter gute Ausreden für entspannte Nachmittage im Garten!

Herbstliche Grüße!
Julia

Igel: Was füttern zum Päppeln?So stelle ich mir das vor: ein süßer Igel kommt jeden Abend geräuschvoll aus dem Gebüsch gekrabbelt und macht sich schmatzend über die Reste des Katzenfutters her! Hat bisher leider nur im Urlaub so geklappt.

7 Kommentare

  1. Uta sagt:

    Also, das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen. Unser Igel wurde in seinem Keller fürstlich versorgt, er bekam bestes Futter (ich kaufte ihm sogar Igel-Pastete vom Nabu für unaussprechliche Summen, die wollte er aber nicht, er wollte Whiskas feine Stückchen in Sauce), täglich frisches Wasser und wurde sehr sauber gehalten! Ich habe ihn nur nicht zusätzlich gewärmt oder mit Medikamenten drangsaliert, sondern einfach den Herbst künstlich verlängert, bis er schwer genug war für den Winterschlaf. „Auftauen“ durfte er dann auch im Gäste-Bad…
    Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, aber ich war sehr stolz, als der kleine Kerl im Mai aus seiner Kiste kroch!
    Naturnahe Grüße von Uta

  2. lehmkuhl.muenchen@t-online.de'
    Peter sagt:

    Ich möchte „unseren“ Igel füttern, aber mit Katzenfutter nicht alle Katzen der Nachbarschaft in unseren Garten einladen. Gibt es Alternativvorschläge? Vielen Dank.

    • Julia sagt:

      Lieber Peter,
      wenn Du ein bisschen handwerklich geschickt bist, kannst Du Dir nach diesen Anleitungen (http://www.pro-igel.de/merkblaetter/publpdfs/unterschluepfe.pdf) ein Igel-Futterhaus bauen. Oder Du versteckst das Futter einfach unter einer Kiste, in einem Rohr o.ä. mit einem Eingang in der Größe 10x10cm. Da sollten alle Igel rein-und rauskommen, die dicken Nachbarkatzen aber nicht!
      Viel Erfolg wünscht Julia
      PS. Immer daran denken, die Futternäpfe täglich heiß auszuspülen. Praktisch ist es auch, eine Zeitung unter den Napf zu legen, da viele Igel eher schlechte Essmanieren haben. Dann braucht man nicht noch da putzen, sondern wechselt einfach täglich die Zeitung.

      • lehmkuhl.muenchen@t-online.de'
        Peter sagt:

        Liebe Julia,

        VIELEN DANK für Deine Antwort. Das Bauen ist nicht ganz so meine Sache, aber eine Kiste mit einer Katzen-Verhinder-Öffnung klingt gut.

        Schöne Grüße aus dem Süden
        Peter

    • Julia sagt:

      Liebe Dunja,
      im Wald finden sie wahrscheinlich so viel zu fressen und haben so viel Platz, dass sie sich nicht zeigen MÜSSEN. Igelhäuser bauen macht aber trotzdem Spass…
      LG, Julia

  3. pigely@t-online.de'
    Christiane sagt:

    Dass Marder igel killen hat sich bei uns wohl noch nicht rumgesprochen. Hier saßen schon Marder und Igel an einem Katzenfutternapf. Sehr zum Missvergnügen des Igels, der dann versuchte, den Marder mit seiner Stachelbreitseite wegzuschubsen. Der rutschte einfach ein Stück weiter am Napf worauf der frustrierte igel versuchte den Marder die spitze Schnauze unter den Bauch zu rammen. Das versuchen die igel auch untereinander, wenn sie sich hier nachts um die Reste vom Katzenfutter streiten.
    Ich würde prinzipiell keinen Igel zum überwintern reinholen. Dieses Frühjahr sah ich einen vergnügten kleinen Igel (den bestimmt im Herbst mancher Tierschützer in den Keller geholt hätte) und habe mich gewundert, wie gut der aussah. Ein etwas größerer Verwandter sah dagegen richtig abgeschlafft aus.
    Bei uns hocken die in der Scheune im Stroh. So niedlich die auch sind: die kacken wo sie gehen und laufen – es sind keine reinlichen Tierchen . Ich sehe in ihnen nur potentielle Flohträger und gerate in Panik, wenn die mitten in unserer Katzenscharr umherlaufen. Aber irgendwie gehören die Iglis bei uns dann doch dazu 🙂
    LG Christiane

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