Knochenzyste beim Pferd

Mein Pferd ist lahm. Nicht sehr stark, aber doch ein wenig. Hinten links. Erinnert Ihr Euch, dass ich davon träumte, mein Pferd habe eine Knochenzyste und sei auf immer unreitbar? Das glaube ich jetzt zwar nicht, denn seine Hinterbeine sind nicht optimal konstruiert und so finde ich es nicht verwunderlich, dass ihn dort mal was zwickt – auch ohne Zyste!

Pferdefuesse

Trotzdem greife ich den Faden auf und beschäftige mich mit dem Thema Knochenzysten beim Pferd.

Was sind Knochenzysten?

Knochenzysten sind Hohlräume im Knochen, meistens rund oder oval und mit Flüssigkeit und Bindegewebe gefüllt. Der Knochen ist hier also aufgelöst oder gar nicht erst angelegt. Doch zu den Ursachen komme ich später.

Knochenzysten werden auch genauer als subchondrale Knochenzysten bezeichnet. Subchondral bedeutet, dass die Zyste direkt unter dem Gelenkknorpel im Knochen lokalisiert ist (ich muss hier wohl keinem erklären, dass die Gelenkflächen der Knochen von Gelenkknorpel überzogen sind…). Häufig sind die Zysten über einen kleinen Gang durch den Gelenkknorpel hindurch mit dem Gelenkinnenraum verbunden.

Wie entsteht eine Knochenzyste?

Das weiß man noch nicht so ganz genau. Folgende Theorien werden als Ursache für die Entstehung von Knochenzysten diskutiert:

  • Osteochondrose: Die Osteochondrose ist eine im Wachstum auftretende Entwicklungsstörung am Gelenkknorpel, die auch zu Gelenkchips führen kann. Man nimmt an, dass eine Störung der Umbildung von Knorpel zu Knochen an der Knorpel-Knochen-Grenze zu einer Zystenbildung führt.
  • Trauma: Feine Risse im Knorpel sollen dazu führen, dass Gelenkflüssigkeit auf den darunterliegenden Knochen drückt und diesen schädigt. Aber auch direkte Schädigungen der Knochen im Sinne eines Risses oder Bruchs können eine Zystenbildung nach sich ziehen.
  • Durchblutungsstörungen: Laut dieser Theorie kommt es zu einer Durchblutungsstörung im Knochen, die letztendlich zu einer Auflösung des Knochens in dem minder durchbluteten und damit unterversorgten Bereich führt.
  • Entzündung: Unabhängig von den genannten Theorien findet häufig ein Entzündungsgeschehen in der Zyste und in dem dazu gehörigen Gelenk statt. Diese Entzündung führt u.a. zu einer verstärkten Produktion von Gelenkflüssigkeit. Diese drückt auch in die Knochenzyste hinein und kann zu einer Vergößerung führen.
  • Vererbung: In manchen Pferdefamilien treten gehäuft Zysten auf, daher könnte zumindest die Veranlagung erblich sein.

Knochenzysten finden sich häufig bereits bei jungen Pferden, können aber auch erst später entstehen. Nicht alle Pferde mit Zysten lahmen auch. Man nimmt an, dass ein hoher Druck in der Zyste für den Schmerz und damit die Lahmheit verantwortlich ist.

Häufig treten Zysten im Oberschenkelknochen nahe des Kniegelenks auf. Sie können sich aber in jedem Knochen des Pferdebeins entwickeln. Normalerweise sind die Zysten zwischen 5 und 10 mm groß, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Diagnose einer Knochenzyste

Ich kann mich nicht erinnern, dass früher so häufig Knochenzysten diagnostiziert wurden wie heute. Das liegt daran, dass sich die Untersuchungsmethoden deutlich verbessert haben. Zum einen sind die Röntgenaufnahmen heute besser auflösend, so dass auch weniger gut sichtbare Veränderungen erkannt werden können. Zum anderen stehen mit der Computertomographie (CT), der Szintigraphie und auch der Magnetresonanztomographie (MRT) heute weiterführende Untersuchungsmethoden auch beim Pferd zur Verfügung.

Auf dem Röntgenbild sieht man dann die Zyste als ein dunkles Loch im Knochen (wenn man sie sieht…). Häufig muss man neben der klassischen „Zehe bzw. Knie seitlich“-Röntgenaufnahme auch noch schräge Aufnahmen anfertigen, um der Zyste auf die Schliche zu kommen.

Behandlung einer Knochenzyste

Und jetzt wird es mal wieder interessant, denn auch in diesem Bereich wird noch viel geforscht und ausprobiert. Ich stelle einfach mal ein paar Behandlungsmethoden vor:

Konservative Behandlung: Soll das Pferd nicht operiert werden, dann bekommt es meist längere Boxenruhe verordnet. Zusätzlich kann das betroffene Gelenk bzw. die Zyste durch einer Injektion direkt behandelt werden, denn dort findet ja meistens auch eine Entzündung statt. Intraartikuläre Injektionen können Kortison oder Hyaluronsäure, Benzopyrone oder Kalzium-Dobesilat enthalten und bestimmt auch noch andere Dinge, von denen ich nichts weiß…

Chirurgische Therapie: Erfolgsversprechender ist allerdings die chirurgische Kürettage, d.h. das Auskratzen der Zyste und anschließende Befüllen mit einer Substanz, die schlussendlich dazu führen soll, dass sich die Zyste mit Knochen füllt. Um an die Zyste zu gelangen, gibt es drei Wege:

  • Arthroskopie: Bei diesem minimalinvasiven Eingriff wird ein Arthroskop in das Gelenk eingebracht, über das das Gelenkinnere betrachtet werden kann. So können ohne große Schnitte und Verletzungen der Gelenkkapsel Eingriffe direkt im Gelenk durchgeführt werden.
  • Arthrotomie: Sollte eine Arthroskopie nicht möglich sein, muss das Gelenk durch einen größeren Schnitt eröffnet werden, um an die Zyste zu gelangen.
  • Transkortikaler Zugang: Bei diesem Zugang wird das Gelenk gar nicht eröffnet, sondern man bohrt seitlich in den Knochen einen Kanal direkt bis in die Zyste hinein. Durch diesen Bohrgang wird dann gearbeitet. Dieser Zugang schont das Gelenk und sollte daher nach Möglichkeit als erst Wahl verwendet  Es ist so aber nicht möglich, gleichzeitig im Gelenk Eingriffe durchzuführen wie beispielsweise den Knorpel zu glätten.

Die Substanzen, die nach Kürettage in die Zyste eingebracht werden können, sind vielfältig und werden auch z.T. gemischt eingesetzt:

  • Knochenmarktransplantate
  • Stammzellen
  • Wachstumsfaktoren (z.B. BMP)
  • Trikalziumphosphat (TCP)
  • Parathormonsegmente
  • Fibrin

Ziel aller Substanzen ist es, die Knochenbildung in der Zyste anzuregen und zu einer Regeneration des Gelenkknorpels zu führen. Dabei ist die Prognose abhängig von der Größe und Lokalisation der Zyste, dem Zustand des Gelenkes, dem Lahmheitsgrad und dem Alter des Pferdes. Recht schwammig, ich weiß…

Pferdeherde

Ich gehe mal davon aus, dass mein Pferd keine Zyste hat. Ich kenne aber einige Pferde, die bei der Ankaufuntersuchung nicht geröngt wurden und nun mit einer Zyste chronisch lahm sind. Allerdings kann eben auch nicht jede Zyste auf den normalen Röntgenbildern, wie sie für eine Ankaufuntersuchung angefertigt werden, entdeckt werden.

Aber: No risk, no fun!

In diesem Sinne, habt Spaß!!!

Uta

P.S. Knochenzysten treten auch beim Hund auf, aber viel seltener…

P.P.S. Hier findet Ihr eine schöne Zusammenfassung zum Thema mit Röntgenbildern & Co

11 Kommentare

  1. pigely@t-online.de'
    Christiane sagt:

    Bei uns in der Nachbarschaft steht ein großer Schimmel mit einer Knochenzyste. Ursache wohl eine Knochenfissur. Ein junges unbeschwertes Pferdchen, der deswegen eingeschläfert werden soll. Die Besitzerin kann sich die OP nicht leisten und lehnt Cortisonspritzen ins Gelenk ab. Mir tut das so weh.

    Ich gehe mal davon aus, dass deinem Pferd nichts gravierendes fehlt. Oft verschwinden die Lahmheiten genauso unvermittelt wieder wie sie gekommen sind.
    LG Christiane

  2. mellawiebe@web.de'
    Melanie Habighorst sagt:

    Mein Pferd hat eine knochenzyste im Ellenbogen. Man hat mir keine Hoffnung mehr gemacht. Jetzt fängt er wieder ein bisschen an zu lahmen und ich bin total verzweifelt!!

    • Uta sagt:

      Liebe Melanie,
      das tut mir wahnsinnig Leid. Manchmal lohnt sich ja ein OP-Versuch, aber keiner kann dir wirklich sagen, ob es hilft. Bezahlen muss man ja leider trotzdem. Ich wünsche dir viel Glück! Und es gibt ständig neue Ansätze auf diesem Gebiet, vielleicht gibt es ja auch für dein Pferd noch eine Lösung!
      Liebe Grüße
      Uta

  3. metzger-alerheim@t-online.de'
    Moni sagt:

    Ich habe eine Stute, die eine Knochenzyste in der Schulter hat. Ich bin im Moment total verzweifelt. Sie wurde mit Schmerzmitteln behandelt bzw. einen Schmerztherapie gemacht. Und das schon 2x, das hat auch kurzzeitig immer einen Erfolg gebracht. Jetzt bekommt sie seit 3 Monaten Calziumdobesilat. Leider lahmt sie seit gestern wieder.

  4. nadine-grossmann@gmx.net'
    Nadine sagt:

    Bin gerade zufällig hierüber gestolpert…
    Mein Pferd hat das leider auch in beiden Knien. Was hier ganz wichtig ist, ist auch die Haltung des Pferdes: Koppeln ohne Hanglage! Und idealerweise Offenstall, aber in einer ruhigen Herde ohne Rangeleien! Sonst kommt immer wieder eine zu große Belastung auf die Zysten.

  5. tine.dold@googlemail.com'
    Christine Dold sagt:

    Hallo Uta,
    bei dem 6 jährigen Pferd meiner Tochter wurde bei einer AKU eine Zyste im Sprunggelenk festgestellt. Der Tierarzt sagte uns dass eine OP nicht möglich wäre. Die Käufer sind abgesprungen und so wollen wir alles tun dass die Note 4 nach der AKU verschwindet. Er hat bis jetzt noch nie gelahmt.Könnt ihr eine Klinik empfehlen?

    • Uta sagt:

      Hallo Christine,
      da kann ich euch leider auch wenig Hoffnung machen.
      Die meisten Kliniken, die sich auf Lahmheiten spezialisiert haben, kennen sich gut mit Knochenzysten aus. Im Norden kann ich aus eigener Erfahrung die Pferdeklinik Bargteheide empfehlen und Gutes habe ich auch von der Pferdeklinik in Lüsche gehört, aber es gibt sicherlich noch einige, die in Frage kommen und bei euch in der Nähe liegen. Auch die Unikliniken sind in solchen Fällen gute Ansprechpartner.
      Viel Erfolg

  6. Kathrin.Karolyi@gmx.at'
    Kathrin sagt:

    Hallo! Meine stute ist jetzt 11 und wir bekamen die diagnose „zyste im krongelenk“ als sie 3,5 war. Ich habe seitdem alles mögliche ausprobiert. Sie bekam 3x injektionen ins gelenk. Leider haben die nicht geholfen. Sie steht seit 2010 im offenstall. Ich hab sie nach der umstellung in den offenstall mal 9 monate stehen lassen und sie hat sich wieder gefangen. Das ganze hielt fast 5 jahre. Plötzlich fing sie wieder an zu lahmen. Die zyste ist leider inoperabel. Ich hab bei ihr dann eine stammtellentherapie machen lassen und hatte alle möglichen ärzte und homöopathen da. Ich weiß mittlerweile nicht mehr was ich machen soll. Vom verhalten her ist sie relativ normal. Sie steht nicht apathisch rum oder so, aber man merkt ihr an wenn sie keinen guten tag hat. Hat vielleicht jemand einen tipp für mich? Danke schonmal! Lg kathi

    • Uta sagt:

      Hallo Kathi,
      das ist leider so schwierig mit den Zysten. Allerdings gibt es immer wieder neue Therapieansätze, daher lohnt es sich vielleicht, die Röntgenbilder an eine renommierte Pferdeklinik zu schicken mit der Frage, ob es neue Therapiemöglichkeiten für deine Stute gibt. Es wird dir aber vermutlich keiner garantieren, dass die Zyste „geheilt“ werden kann.
      Viel Glück!

Schreibe einen Kommentar