Mammatumoren beim Hund: Interview mit einer Veterinärpathologin

Damit beim Thema „Mammatumoren beim Hund“ nicht alle gleich in Panik ausbrechen, hier erst mal ein paar Fakten:

  • nur etwa 2% aller Hündinnen entwickeln im Laufe ihres Lebens Gesäugetumoren
  • Mammatumoren treten meist ab dem 7. Lebensjahr auf
  • etwa die Hälfte aller Mammatumoren ist gutartig, „nur“ die andere Hälfte ist bösartig

Unterschiede Tumor, Neoplasie, Krebs

Tumor: Das Wort Tumor wird umgangssprachlich häufig mit Krebs gleichgesetzt, bedeutet dem Wortsinn nach jedoch nur Umfangsvermehrung – und diese kann aus neu gebildetem Gewebe bestehen, aber auch nur eine Schwellung anderer Ursache sein.

Neoplasie: Gewebeneubildung – diese kann gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein

Krebs: allgemein übliche Bezeichnung für bösartige Tumoren

Anatomie schadet nie: das Gesäuge einer Hündin

Das Gesäuge der Hündin besteht aus zwei Milchleisten, die jeweils rechts und links der Bauchmittellinie liegen. Jede Milchleiste besteht aus vier bis sechs einzelnen Milchdrüsen/Gesäugekomplexen, dadurch hat eine Hündin acht bis zwölf Zitzen.

Gesäugetumoren- Lage beim Hund

Was ist zu tun, wenn man einen Knoten im Gesäuge fühlt?

Wenn ihr eine Umfangsvermehrung im Gesäuge eurer Hündin fühlt, ist der nächste Schritt ein Besuch in einer tieräztlichen Praxis, und zwar möglichst schnell und nicht erst in 4 Wochen. Ein Besuch im Notdienst ist jedoch auch NICHT erforderlich!!! Je nachdem was unsere Kollegen dann fühlen und denken, wird die Umfangsvermehrung entfernt.

Und landet dann bei unserer Freundin Ali (Dr. Alexandra von Reiswitz – einer Veterinärpathologin) auf dem Tisch bzw. unter dem Mikroskop!

Was sagt die Veterinärpathologin zu Mammatumoren beim Hund?

Tiergezwitscher: Ali, was untersuchst Du lieber: eine Biopsie oder gleich der ganze Knoten? Oder gar den gesamten Gesäugekomplex bzw. die Milchleiste?

ALI: Biopsien finde ich nicht sinnvoll, da Mammatumoren häufig aus verschiedenen Gewebetypen bestehen und man in einer Biopsie nicht alle diese Gewebeanteile sehen kann. Daher sollte immer der ganze Knoten entfernt werden und zwar möglichst großräumig. Wenn mehrere Knoten in verschiedenen Komplexen zu fühlen sind, dann ist zu überlegen, ob man nicht gleich mehrere Komplexe oder die ganze Milchleiste entfernt.


Tiergezwitscher
: Warum sollte jede Neubildung im Gesäuge entfernt werden?

ALI: Weil man nicht fühlen kann, ob eine Neoplasie gutartig oder bösartig ist. Auch können gutartige Tumoren bösartig werden. Dies ist noch ein Grund, warum Biopsien oder Zytologien nicht sinnvoll sind. Biospien werden häufig von älteren Hündinnen eingeschickt, weil man ihnen die Narkose ersparen möchte. Aber selbst wenn in der eingeschickten Biopsie keine bösartigen Zellen vorhanden sind, sollte der Tumor trotzdem entfernt werden. Und dann halte ich es für sinnvoller, möglichst keine Zeit zu verlieren.


Tiergezwitscher
: Was passiert, wenn der entfernte Knoten bei Dir landet?

ALI: Einfach gesagt werden an verschiedenen Stellen des Tumors Gewebeproben entnommen, die über Nacht in einem speziellen Apparat aufgearbeitet werden. Am nächsten Tag werden davon hauchdünne Schnitte angefertigt und schließlich angefärbt. Das gibt uns die Möglichkeit, die verschiedenen Zelltypen besser zu unterscheiden.


Tiergezwitscher:
Was siehst Du dann unter dem Mikroskop?

ALI: Viele verschiedene Zellen! Das Gesäuge besteht unter anderem aus Drüsenzellen, Myoepithelzellen, Bindegewebszellen und Fettzellen. Bei den meisten Tumoren sind die Drüsenzellen verändert. Diese Veränderung kann gut- oder bösartig sein. Gutartige Neubildungen sind beispielsweise Adenome oder Mammamischtumoren, bösartige Tumoren sind meist Karzinome. Laut Literatur sind etwa die Hälfte der Neubildungen gutartig und die andere Hälfte bösartig. Bei einem Hund können gleichzeitig gutartige und bösartige Tumoren vorkommen. Deswegen ist es wichtig, immer alle Knoten zu untersuchen!

histopathologische Untersuchung von Gesäugetumoren


Tiergezwitscher:
Was ist mit den Lymphknoten?

ALI: Die Lymphknoten untersuche ich am liebsten gleich mit. Denn anhand des Lymphknotens kann ich sehen, ob die Neubildung bereits gestreut hat.


Tiergezwitscher:
Was bedeutet das?

ALI: Bösartige Neubildungen können sich über Blut- oder Lymphgefäße im Körper ausbreiten. Einzelne Zellen der Neubildung lösen sich sozusagen aus dem Knoten und wandern mit dem Blut oder der Lymphe zu anderen Organen oder Geweben und siedeln sich dort an. Sie bilden eine Tochtergeschwulst, also eine Metastase. Diese besteht dann aus dem gleichen Gewebe wie die ursprüngliche Neubildung. Als erstes bleiben sie häufig im Lymphknoten der Mamma hängen. Wenn ich im Lymphknoten Tumorzellen finde, hat der Knoten gestreut. Damit verschlechtert sich die Prognose für den Hund erheblich.

Ob er noch weiter gestreut hat, zum Beispiel in die Lunge, kann man häufig auf einem Röntgenbild erkennen. Viele Tierärzte fertigen deshalb bereits bevor die Neubildung in die Pathologie geschickt wird, ein Röntgenbild der Lunge an.


Tiergezwitscher:
Im besten Fall ist der Tumor also gutartig, im schlechtesten Fall ist der Tumor bösartig und im Lymphknoten sind ebenfalls Tumorzellen. Was aber rätst Du, wenn der Tumor bösartig ist und noch nicht gestreut hat?

ALI: Ich untersuche auch immer, ob der Tumor vollständig entfernt wurde. Ist dies der Fall und es sind keine Tumorzellen in Blutgefäßen zu sehen, dann ist die Prognose für diesen Tumor relativ günstig. Leider treten Mammatumoren beim Hund häufig multipel auf, das heißt, dass häufig mehrere Umfangsvermehrungen gleichzeitig oder nacheinander im Gesäuge auftreten. Und jede dieser Neubildungen kann gut- oder bösartig sein.


Tiergezwitscher:
Und was rätst Du grundsätzlich zur Vorbeugung von Mammatumoren beim Hund?

ALI: Wie bei der Frau sollte die Mammaleiste beim Hund regelmäßig durchgetastet werden. Auch sehr kleine Knoten können bösartig sein. Ich würde daher jeden Knoten entfernen lassen. Vom Tierarzt kann man sich auch zeigen lassen, wo die Lymphknoten des Gesäuges liegen. Diese können dann ebenfalls auf Schwellungen untersucht werden.


Tiergezwitscher
: DANKE ALI!

Was aber tun, wenn der eigene Hund von Mammatumoren betroffen ist und bereits eine Streuung vorliegt? Darüber haben Uta, Ali und ich zwar nur kurz aber kontrovers nach dem Interview gesprochen. Viele Kliniken bieten Chemo- und Strahlentherapie auch bei Hunden an. Würde man das bei einem alten Hund tun? Nur bei einem jungen Hund? Nicht beim Mammatumor sondern nur bei besser therapierbaren Tumorerkrankungen?

Schwierige Fragen….
….. und liebe Grüße von Julia

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