Mehrgenerationen-Projekt Hühner

Leben auf dem Lande heißt auch manchmal Leben im Dunklen

Wer sagt denn, dass Warnwesten für Hühner Kokolores seien? Julia lebt natürlich nahe einer großen, permanent beleuchteten Stadt. Immer alles mit fetten Straßenlaternen bestens ausgeleuchtet, damit man auch nicht mit den Velourlederpumps versehentlich in eine Pfütze tritt, wenn man zu seinem SUV stöckelt. Aber wer einmal einen graunieseligen Herbsttag/Wintertag/Frühlingstag/Sommertag im hintersten Winkel des Cuxlandes erlebt hat, der weiß, was Dämmerlicht wirklich bedeutet. Jetzt, wo die LED-Weihnachtsbeleuchtungen noch nicht aus den Kellern geholt wurden, lässt sich der Tag manchmal schwer von der Nacht trennen.

Herbstnebel

Unsere Hühner sind aber keine Stubenhocker und so definieren sie ab irgendwann: Jetzt ist Tag. Und dann machen sie ihrem Namen als wilde Hühner alle Ehre, überwinden auch mal den Zaun und durchscharren die Nachbarschaft. Dazu überqueren sie auch ggf. unseren innerdörflichen Highway und halten sich dabei leider nicht an gängige Verkehrsregeln. Im Lichte des herannahenden Scheinwerfers würde so eine Warnweste gute Dienste leisten und die Lebenserwartung unserer Hühner signifikant erhöhen. Leider halten sich die Treckerfahrer mit Güllefass allerdings auch nicht immer an die Verkehrsregeln und so weiß ich nicht, ob die Schutzwesten bei so einem Aufeinandertreffen wirklich Schutz spenden würde (Blasen sie sich im Falle eines Aufpralls auf???).
Aber ich bin sicher, Julia, wenn Du das nächste Mal durch Eure Hecken kriechst, um die aufgebaumten Hühner zu finden, dann wärst Du froh, wenn der matte Schein Deiner funzeligen Stirnlampe auf einen grellen Reflektorstreifen fallen würde…..

Mehrgenerationen-Projekt Hühner: Mutti, Vati, Kind und die alten Tanten unter einem Dach

Hühnerschar

Was ich aber erzählen wollte, ist, dass wir ja ein Mehrgenerationenen-Projekt mit unseren Hühnern proben. Vielleicht als Vorversuch für uns selbst? Es leben unsere vier (ehemals) prächtigen Jersey-Giant-Hennen in der eleganten Farbe „Blau“ (nur Heidi ist schwarz, aber dafür die schönste, sagt mein Mann…) bereits seit fast acht Jahren bei uns. Sie legen zwar kaum noch Eier, fressen dafür aber umso mehr. Sie sind eben zu würdigen alten Damen gereift. Sie waren sehr befremdet, als vor etwa zwei Jahren drei Vorwerkhennen samt Hahn in ihren beschaulichen Frauenhaushalt einbrachen. Nach einer Weile gaben sie aber ihre altjüngferliche Zurückhaltung auf und nun umgarnen sie den Hahn, als gehöre er nur ihnen. Irgendwie wurden sie sogar noch Mutter, denn im vorletzten September schlüpften zwei reinrassige Vorwerkkücken und zwei Jersey-Giant x Vorwerk-Küken, eins in Schwarz und eins in Blau. Dieses Jahr kam noch ein Vorwerkküken dazu. Nun leben sozusagen vier (na ja, dem Alter nach zumindest) Generationen mehr oder weniger friedlich unter einem Dach, aber auf verschiedenen Stangen/Ebenen, also quasi in separaten Wohnungen und Etagen. Das ist wohl auch ganz praktisch so und erhält den häuslichen Frieden…

Hühner auf der StangeHühner in der Penthouseetage mit dem besten Blick

Huhn unter der StangeManchmal wird untervermietet an eine heiße Anwärterin auf einen Stangenplatz

PB081093Ein- bis Zweizimmerwohnung nebenan

Hühner schlafen auf dem BodenSeniorengerecht – Barrierefreies Wohnen im Paterre

Toll ist, dass die alten Tanten immer noch das Sagen haben, obwohl die eine einen Krüppelfuß hat und hinkt, die andere ihren Hals nicht mehr ganz gerade halten kann und die dritte seit Neustem hin und wieder umfällt. Nur die vierte, die sich Zeit ihres Lebens immer sehr geschont hat, sieht noch aus wie aus dem Ei gepellt. Die Spuren ihres langen Lebens hält die Hühnerdamen aber wie gesagt nicht davon ab, die besten Häppchen, sonnigsten Plätze und den Hahn ganz für sich zu beanspruchen. Das wird von den jüngeren Hühnern im produktionsfähigen Alter auch anstandslos akzeptiert. Hier gilt: Alter vor Schönheit und die Jugend hat auch noch Respekt. So stell ich mir ein Mehrgenerationen-Wohnen im Alter auch vor… Das muss ich meinen Kindern mal vorschlagen!!!

Illusorische Grüße
Uta

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