Reitstiefel oder Lederchaps?

Finde das passende Schuhwerk für deinen reitenden Nachwuchs

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Heute befasse ich mich auf Wunsch einer Freundin mit dem Thema Reitstiefel für Kinder. Dabei habe ich keinen Produkttest oder so etwas durchgeführt, ich schildere nur meine persönlichen Erfahrungen – als reitendes Kind vor vielen einigen Jahrezehnten und nun als Mutter einer reitversessenen Tochter. Und ohne das Budget eines Bankiers aus den Hamburger Elbvororten. Aber mit dem Wunsch, meiner Tochter einiges an Reitstiefelzumutungen zu ersparen (das würde die verwöhnte Brut von heute sowieso nicht mehr mit sich machen lassen…).
Es war einmal…..

Beginnen wir also in meiner Jugend, in der ich das Glück hatte, reiten zu dürfen. Meine Eltern waren durchaus praktisch veranlagt und daher stellte sich bei wachsenden Kinderfüßen gar keine Reitstiefelfrage. Es kamen nur Gummireitstiefel in Frage. Irgendwie gab es nur zwei Modelle: Den ZU-Engschaft-Stiefel, den man nicht die komplette Wade hochziehen konnte, so dass er sich zieharmonikaartig unterhalb der breitesten Stelle „schoppte“. Meistens war diese Stiefelform auch mit einem Flachfuß versehen, daher bekam man ihn zunächst kaum über den Spann und nach der Reitstunde erst recht nicht wieder hinunter. Ich hatte eher Spargelbeine und dafür eignete sich Modell Elbkahn. Überall viel zu weit aber dafür auch aus besonders starrem Gummi (wohl eher irgendein Plastik) gefertigt bestand hier die Kunst darin, den Stiefel am Bein zu behalten. Besonders, wenn es irgendwo matschig war (in meiner Erinnerung war es immer matschig) oder bei so Dingen wie Ohne-Bügel-Reiten fand man sich häufig in Socken wieder. Im Sommer war es angenehm warm bis subtropisch feucht in den komplett atmungsINaktiven Gummikammern, im Winter konnte man die Außentemperatur auch in den Stiefeln messen. Ihren einzigen Vorteil, nämlich die Wasserundurchlässigkeit, verspielten die Dinger meist sehr früh, indem sie sich kurz nach Erwerb ein unauffindbares Loch zulegen.  Von den Reithosen meiner Jugend, die das Wort „Baumwollanteil“ noch nie gehört hatten und „Stretch“ nur vom Hörensagen kannten, möchte ich jetzt übrigens gar nicht anfangen…. Versteht mich aber bitte nicht falsch, es war toll zu reiten und das hat mich alles auch nicht wirklich gestört, aber heute kann man es besser machen, finde ich.

Mein Tipp: Chaps statt Kinderreitstiefel

Es gibt immer noch Gummireitstiefel. Ob sie heute besser sind, weiß ich nicht, denn ich habe sie meiner Tochter nicht gekauft. Ich fand es viel schlauer, eine Kombination aus kurzer Stiefelette und Mini-Chaps zu wählen. Mini-Chaps (oder auch Reitletten genannt) finde ich genial, denn man kann sie mit allen möglichen Schuhen zum Reiten kombinieren: Lederstiefelette, Gummistiefelette, beides wahlweise gefüttert für den Winter oder ganz einfach feste andere Schuhe jeder Art, die das Kind sowieso hat. Und die Chaps gibt es von ganz einfach und günstig (siehe z.B. hier) bis hin zu teuer und exklusiv für den gehobenen Anspruch. So kann man sich dem Wetter, dem Wachstum des Kindes (manchmal wächst nur der Fuß, manchmal nur das Bein) und den Bedürfnissen super anpassen. Denn im Offenstall braucht man nun mal anderes Schuhwerk als im Reitstall, zumindest bei norddeutschen Witterungsverhältnissen. Und viel „mehr Pferd“ spürt man mit einem Chap allemal als mit einem Gummistiefel. Und im Steigbügel bleibt man auch nicht hängen, so wie einem das mit Halbschuhen „ohne was“ passieren kann.

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Ach ja, ich finde auch immer wieder, dass man bei Raiffeisen gute Reitsportartikel bekommt, gerade, wenn es nicht so teuer werden soll. Überhaupt finde ich Raiffeisen (oder BayWa im Süden) große Klasse, aber darum geht es hier ja nun nicht….

Fröhliche Sommergrüße
Uta

6 Kommentare

  1. ueberraschungspakethund@googlemail.com'
    Isabella sagt:

    Liebe Uta,

    meine Reiterfahrungen sind ja nun auch schon etwas her – auch schon im Bereich von Jahrzehnten – und auch bei mir gab es nur die Gummistiefel-Variante. Erst für Turniere bekam ich dann – gebraucht versteht sich – Lederstiefel … die wurden aber auch sicher verwahrt!
    Deine Lösung finde ich toll und praktisch – und auch ich nutze Chaps heute. Zwar nicht mehr zum Reiten, aber als gut Möglichkeit saubere Hosenbeine bei Spaziergängen zu behalten.

    Und Du hast völlig recht, Raiffeisen und BayWa sind wirklich große Klasse in vielen Bereichen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

    • Uta sagt:

      Liebe Isabella,
      daran habe ich noch gar nicht gedacht – Chaps als Hosenbeinschutz beim Spazierengehen! Sehr gute Idee! Diese Dinger sind doch wirklich universell!

      Liebe Grüße
      Uta

  2. newspinscher@gmail.com'
    Andrea sagt:

    Wenn es um Jahrzehnte geht, da kann ich mitreden… lach. Wenn es um Pferde geht, auch…

    Ganz klar Chaps. Schnell an, schnell aus und wie schon erwähnt, passt über jeden Schuh. Wer will denn da noch Gummireitstiefel… 😉

    LG Andrea mit Linda, fleißig Algen mampfend…

    • Uta sagt:

      Liebe Andrea,
      ich sag immer, wenn die Jahrzehnte irgendwann zu viel werden, kann man immer noch Kutsche fahren! Pferd geht also immer…. Und ich sehe tatsächlich immer noch Kinderbeine in unförmigen Gummibotten bei dem Versuch, den Steigbügel „zu erfühlen“…aber es wird weniger!

      Liebe Grüße
      Uta

  3. maks.hoehne@t-online.de'
    Michael Höhne sagt:

    Ich sehe die Füße unserer Ältesten (21) in Deinen Bildern. Schuhe, Strümpfe, Hose – passt alles (Fußform eher nicht – ist aber auch sehr individuell).
    Ich selber bin von echten schweren Chaps (so wie die Viehtreiber), Camarquestiefeln, Gummistiefeln (wie zum Wattwandern), bis hin zum Sicherheitsschuh schon mit allem auf unserem ISI geritten. Nur eins noch nicht Chapsletten. Aber meine wT (wunderbare Tochter) schwört drauf. Es ist praktisch. Und hinterher kommen die schönen Karostrümpfe wieder zur Geltung.
    LG aus Westfalen
    Michael

    • Uta sagt:

      Lieber Micheal,
      Ihr lebt ja auch im wilden Westen, da braucht man schon RICHTIGE Chaps!
      Ich habe übrigens auch keine Mini-Chaps, ich reite noch in meinen alten Lederstiefeln, die ich bekam, als die Füße SICHER nicht mehr wuchsen. Sie passen inzwischen wie eine zweite Haut. Daher muss ich die schicken Karostrümpfe leider auch meiner Tochter überlassen, die passen nicht auch noch zwischen Bein und Stiefel…
      Liebe Grüße
      Uta

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