Unsauberkeit oder Harnmarkieren bei Katzen

Gerade habe ich einen sehr guten Artikel einer Tierärztin und Verhaltenstherapeutin zum Thema Unsauberkeit oder Harnmarkieren bei Katzen gelesen, den ich hier zusammenfassen möchte. Bei uns war das glücklicherweise und toi-toi-toi noch nie ein Thema – und das obwohl wir dem Artikel nach eigentlich sehr viel falsch machen: wir haben gar keine Katzentoilette, die Katzen können nur jederzeit die Katzenklappe nach draußen nutzen und sich eine geeignete Stelle suchen. So lange das gut klappt, braucht man sich ja auch nicht an jede „Vorschrift“ zu halten, aber wer Probleme mit Unsauberkeit und Harnmarkieren hat, freut sich hoffentlich über ein paar gute Tipps!

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Revierverhalten von Katzen

Grundsätzlich kann man das Revier von freilaufenden Katzen in ein Kerngebiet und ein Streifgebiet unterteilen. Das Kerngebiet wird fast ausschließlich mit Katzen aus dem gleichen Haushalt geteilt, das Streifgebiet dagegen wegen der hohen Anzahl von freilaufenden Katzen meist auch von anderen Katzen. Mit Eintritt der Geschlechtsreife ist es für männlichen UND weibliche Katzen normal, ihr Streifrevier mit Harn oder Kot zu markieren. Auch nach einer Kastration markieren etwa 10% der männlichen und 5% der weiblichen Katzen weiter.

Anders sieht es im Kerngebiet aus: hier wird im Regelfall das Revier durch Pheromone der Kinndrüse und Kratzen markiert, nicht jedoch durch Harn oder Kot.

Harnmarkieren oder Unsauberkeit?

Vom Harnmarkieren oder auch Harnspritzen spricht man, wenn Harn (in Einzelfällen auch Kot) im Kerngebiet abgesetzt wird, die Katzentoilette jedoch weiterhin genutzt wird – meist jedoch immer weniger. Wird die die Katzentoilette gar nicht mehr genutzt, spricht man von Unsauberkeit. Harnmarkieren erfolgt meist nur an wenigen, immer gleichen Orten, meist werden senkrechte Flächen mit Harn bespritzt. Bei der Unsauberkeit variieren die Orte mehr, senkrechte Flächen spielen keine große Rolle.

Unsaubere Katze

Ursachen für Harnmarkieren oder Unsauberkeit

In der Literatur werden die Ursachen vom Harnmarkieren und Unsauberkeit meist streng getrennt, ich bin eher der Meinung, dass Stress in fast allen Fällen der Auslöser ist: mal eben Stress mit einer Änderung im Kerngebiet und mal mehr Stress durch eine – für die Katze – nicht adäquate Versorgung mit der Katzentoilette. Die Liste für Gründe ist nahezu endlos, ich kann hier nur ein paar Gedankenansätze geben. Am wichtigsten ist Folgendes:

Katzen markieren NIEMALS aus Boshaftigkeit, Rache oder Protest!

Organische Ursachen wie Blasenentzündungen, Blasensteine usw. müssen ausgeschlossen werden!

Mögliche Veränderungen, die zu einem Harnmarkieren führen können, sind beispielsweise

  • neue Möbel, neue Teppiche, das Verrücken alter Möbel oder jeder andere Tapetenwechsel
  • neue Katze in der Nachbarschaft – und wenn diese beim Stubentiger nur einmal täglich am Fenster vorbei geht
  • Beziehungsveränderungen in der Halterfamilie (neuer Liebhaber, neues Baby, Oma zu Besuch?)
  • Abwesenheit des Lieblingsmenschen (Urlaub, Krankenhaus…)
  • neue, häufig ammoniakhaltige Putzmittel – Ammoniak animiert!
  • Beziehungsveränderungen/Rangordnungskämpfe mit anderen Katzen  – im gleichen Haushalt oder auch nur im gleichen Streifgebiet
  • neues Katzenstreu, neue Katzentoilette, neuer Ort für die Katzentoilette, neuer WC-Reiniger, der ja häufig neben der Katzentoilette steht
  • Katzentoilette – aus Sicht der Katze – nicht sauber genug! Auch einige Katzen werden mit dem Alter pingeliger und plötzlich reicht es nicht mehr, das WC einmal täglich zu säubern.

THINK CAT – wer dem Problem auf die Spur kommen will, sollte versuchen wie eine Katze zu denken. Dabei sind unsere Wertvorstellungen eher hinderlich.

Diese Katze markiert glücklicherweise nicht mit Harn

Lösungen?

Da Katzen dieses Verhalten wirklich nicht aus Protest oder ähnlichem sondern aus Unsicherheit und Stress zeigen, ist jede Art von Bestrafung vollkommen kontraproduktiv. Dies erzeugt nur noch mehr Unsicherheit und Stress und wird das Problem nicht lösen. Am besten ist es, wenn der Grund für diese Unsicherheit s.o. gefunden werden kann, aber grundsätzlich sollte man sich bemühen, das allgemeine Wohlbefinden der Katze so weit zu verbessern, dass sie wieder ohne Harnmarkieren auskommt. Bewährte Möglichkeiten sind beispielsweise:

  • Zusätzliche Katzentoiletten aufstellen! Die „Richtlinie“ für die Anzahl von Katzentoiletten ist eigentlich: Anzahl Katzen + 1. Auch wer nur eine Katze hält, sollte ihr 2 Toiletten anbieten, da Kot und Harn nicht gleichzeitig abgesetzt werden. In den meisten Familien steht auch bei mehreren Katzen nur ein Katzenklo und so lange es gut geht (das allgemeine Wohlbefinden also ansonsten ausreichend ist), ist das ja auch in Ordnung, aber bei Problemen kann ein neues Klo für 10 Euro Wunder wirken. Und beachte: Katzen sind keine Höhlenpinkler und wollen gerne immer alles im Blick haben, daher sind die geschlossenen Katzenklos nicht wirklich eine gute Idee. Vor allem nicht, wenn draußen auch nur ein einziges Mal die zweite Katze der Familie gestanden hat und der Pinkelkatze aus Langeweile kurz eine gelangt hat…
  • Verschiedene Katzenstreus ausprobieren und das Klo an einer vielleicht ruhigeren Stelle aufstellen. Auch ein paar Tropfen Baldrian in die Streu über ein paar Tage kann helfen.
  • Beim Harnmarkieren an wenigen Stellen kann es sinnvoll sein, diese Stellen „umzuwidmen“, also plötzlich dort zusätzlich Futter anzubieten, die Lieblingsdecke hinzulegen oder zum Spielen benutzen.
  • Vermutet man, dass die Markierung an einer Um- oder Neumöblierung liegt, kann die Katze für einige Zeit – mit Futter und eigener Toilette – in einem sicheren, alten Zimmer untergebracht werden bis sich die Nerven wieder beruhigt haben
  • Neue Sitz- und Ruheplätze schaffen, gerne auch erhöht!
  • Bei Wohnungskatzen die Fenster abkleben, damit sie keinen Stress durch beispielsweise herumstreunende Katzen haben.
  • Es gibt Sprays, mit denen markierte Stellen behandelt werden können und die dadurch ein erneutes Markieren verhindern sollen. Diese Sprays dürfen nur auf gut gereinigten und trockenen Flecken angewendet werden. Die Katze soll dabei nicht im Raum sein!
  • Angstlösende Medikamente können nach Rücksprache und genauer Untersuchung durch einen Tierarzt ausprobiert werden.
  • Bevor die Urinflecken zu viele werden: einen auf Verhaltenstherapie spezialisierten Tierarzt aufsuchen!
  • Und wie immer: Ruhe, Geduld und viel Liebe ❤️

In diesem Sinne,
liebe Grüße,Julia

 

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