Hund, Katze, Pferd: Aujeszkysche Krankheit und andere Themen

Am Wochenende vor der Erkältungspause war mein Lieblings-Winter-Wochenende: unser jährliches Tierärzte-Treffen!
Für Uta und mich natürlich auch eine perfekte Möglichkeit, nach neuen Themen für unseren Blog zu forschen, da wir uns alle in veterinärmedizinisch unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.

Katze, AK-frei

So wünscht sich der stellvertretende Veterinär-Amtsleiter eine bessere Information von Tierhaltern über Hunde im Reiseverkehr. Die Mitarbeiterin eines Amtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit berichtet vom Auftreten der selten gewordenen Aujeszkyschen Krankeit beim Hund, die Pferdetierärztin und inzwischen nebenberufliche Stallbesitzerin (und Pferde-Decken-Profi) wünscht sich mehr Mitgefühl der Einsteller bei eingefrorenen Tränken. Es lohnt sich nämlich einfach nicht, für diese paar Ausnahmetage enorme Investitionen zu tätigen, die keiner auf seine Stallmiete aufgeschlagen bekommen möchte. Unsere Pathologin berichtet, dass sie „gefühlt“ hauptsächlich Fibrosarkome der Katze und Gesäugetumore des Hundes auf den Tisch bekommt. Und die einzige von uns, die fast 20 Jahre nach Studienende noch als praktizierende Tierärztin tätig ist, denkt immer noch nach, wenn sie denn jemals Zeit dafür findet….

Fange ich heute mal – meine Sinne sind noch Erkältungs-geschwächt – mit dem einfachsten Thema an:

Aujeszkysche Krankheit (AK) – eine Gefahr für Hund und Katze

Folgender Satz ist mir zur Aujeszkysichen Krankheit aus dem Studium in Erinnerung geblieben:

„Liegt der Hund/die Katze plötzlich tot in der Stallgasse, haben die Schweine AK!“

Hausschweine gelten als AK frei

Und das ist eigentlich wirklich eine gute Zusammenfassung dieser Viruserkrankung, die auch unter den Namen Pseudowut, Pseudorabies, Bulbärparese oder Tollkrätze bekannt ist.
Der Hauptwirt der Viren sind Schweine, die sehr unterschiedliche Symptome zeigen können. Bei Saugferkeln können plötzliche Todesfälle auftreten, ältere Tiere zeigen häufig gar keine Symptome. Schweine bleiben lebenslang Träger der Viren (es sind Herpesviren, da kann der eine oder die andere Leser sicher ein Liedchen von singen….) und können lebenslang oder auch nur zwischendurch Viren ausscheiden. Und diese Viren sind für alle anderen Haussäugetiere, also auch Hund und Katze, in der Regel innerhalb von 3 Tagen tödlich. FÜR DEN MENSCHEN IST EINE INFEKTION UNGEFÄHRLICH!

Besondere Gefahr für Jagdhunde – und andere „gelegentliche“ Waldbesucher – durch Aujeszkysche Krankheit

Seit 2003 gelten die deutschen Hausschweine als AK-frei. Nicht frei von Aujeszky sind jedoch die deutschen Wildschweine. So scheinen nach derzeitigem Wissenstand zwischen 10 und 20% der Wildschweinpopulation mit dem Virus infiziert zu sein. Daher sollte der Kontakt zwischen Jagdhund und Wildschwein auf das Nötigste beschränkt bleiben und Wildschweinfleisch oder Innereien auf keinen Fall roh verfüttert werden. Da Jäger die erlegten Wildschweine jedoch im Wald „aufbrechen“ und die Innereien dann meist im Wald vergraben werden, können sich theoretisch auch Hunde im beim „Spaziergang“ im Wald anstecken. Das Problem ist nämlich, dass diese Viren sehr widerstandsfähig sind: sie überleben 36 Tage bei -18 Grad Celsius, 12 Tage in Fäulnis (eingegrabenes Fleisch) oder 5 Minuten bei 80 Grad Celsius.

Notizzettel mit Fakten zur Aujeszkyschen KrankheitIch möchte nochmals kurz betonen, dass es sich wahrlich um eine seltene Erkrankung bei Hund, Katze und Pferd handelt! Bisher wurden jährlich nur wenige Fälle bekannt. Also keine Panik!

Während ich hier schreibe, hat das Telefon geklingelt und eine Kindergartenmutter hatte eine Frage: Sollen bei der Kastration ihrer Hündin nur die Eierstöcke oder auch gleich die Gebärmutter entfernt werden? Auch ein schönes Thema.

Habt Ihr vielleicht auch ein paar tiermedizinische Fragen für uns? Darüber freuen wir uns tatsächlich! Eine Sammlung aller bisherigen tiermedizischen Themen findet Ihr ja oben im Menü unter Tiermedizin, falls bisher übersehen.

Fragende Grüße,
Julia

 

 

 

7 Kommentare

    • Julia sagt:

      Liebe Andrea,
      mir scheint das Thema Kastration bietet noch viele Unterthemen…
      Ich nehme es mit auf die Liste, fange aber erst mal sozusagen „vorne“ beim Thema an!
      Danke für den Tipp!
      Julia

  1. ueberraschungspakethund@googlemail.com'
    Isabella sagt:

    Wir sind bei Wildschwein auch immer sehr vorsichtig … verfüttert wird es nur, wenn es richtig durchgekocht ist (aber auch damit haben wir bei Lady mal Erfahrungen der besonders durchschlagenden Art gemacht)! Allerdings liebt Damon es, sich in dem zu wälzen, was Wildschweine so auf Wiesen hinterlassen – aber ich hoffe, über das Fell nimmt er den Virus nicht auf 😉

    Zum Thema Tiermedizin bin ich auf eure Beiträge gespannt und werde mal überlegen, was mich besonders interessieren könnte.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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