Fledermaustollwut

Tollwütige Katze?

Wenn ich abends mit dem Hund gehe, flattern häufig kleine Fledermäuse über uns hinweg. Ich habe mir darüber noch nie Sorgen gemacht, schließlich halten die Fledertiere genügend Abstand und dass sich eine versehentlich in meinem Haar verfangen würde, hielt ich für ausgeschlossen. Die Flattermänner haben doch so ein präzises Ultraschall-, Echolot-, Radar- oder was-auch-immer- für psysikalische-Schwingungen-System, mit dem sie einen genau orten können. Neulich kreiste Batman allerdings bedrohlich nah um meinen Kopf und einige Tage später lag ein kleiner, toter Kerl vor unserer Tür. Fledermaustollwut, schoss es mir alarmierend durch den Kopf. War nicht gerade irgendwo in Norddeutschland eine Frau von einer tollwütigen Fledermaus gebissen worden?

Was heißt hier tollwutfrei?

Dabei gilt Deutschland doch als tollwutfrei. Und das ist auch richtig, Deutschland gilt seit  2008 offiziell als frei von der terrestrischen Tollwut, nachdem letztmalig 1995 Tollwut bei Wild- und Haustieren diagnostiziert wurde. Allerdings gibt es weiterhin Tollwut bei Fledermäusen. Und das nicht zu knapp. Es gibt gleich mehrere Viren, die Fledermaustollwut verursachen. Die Viren sind nicht identisch mit dem Erreger der terrestrischen oder Fuchstollwut, sind aber mit diesem verwandt. Es ist bislang ausgesprochen selten vorgekommen, dass eine Fledermaus Tollwut auf ein Säugetier übertragen hat, aber es ist nicht auszuschließen. Eine tollwutkranke Fledermaus kann nicht mehr fliegen, hat Schluckbeschwerden, zeigt aggressives Verhalten und verendet schließlich. Daher ist immer höchste Vorsicht geboten, wenn man eine Fledermaus am Boden vorfindet.

Toll, dachte ich, alle Hunde- und Katzenbesitzer hören nur „Deutschland tollwutfrei“ und stellen sofort das Impfen ihrer Tiere gegen Tollwut ein. Und dann torkelt so eine kleine, flugunfähige, tollwütige Fledermaus wie eine Aufziehmaus auf dem Boden herum und beißt Hund oder Katze, die sich mit ihr vergnügen wollen, in die Nase. Und dann?

Dann regelt alles Weitere die Tollwutverordnung (Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut). Und das heißt im Klartext, dass bei Ansteckungsverdacht Hund und Katzen, die NICHT unter einem wirksamen Impfschutz stehen, getötet werden (oder in sehr seltenen, behördlich genehmigten Ausnahmefällen für drei Monate unter Quarantäne gestellte werden). Heilversuche sind bei Tieren verboten (Bei uns zum Glück nicht). Und ganz ehrlich: Habe ich den Verdacht, dass mein ungeimpfter Hund oder meine ungeimpfte Katze von einer tollwütigen Fledermaus gebissen wurde, dann möchte ich auch nicht, dass er/sie noch mit meinen Kindern kuschelt.

Ich konnte die tote Fledermaus vor unserer Haustür mit gutem Gewissen in die Tonne werfen, denn unsere Katzen und der Hund sind gegen Tollwut geimpft. Darüber bin ich in solchen Momenten auch wieder heilfroh. Ich finde es sehr irreführend, von einem tollwutfreien Land zu sprechen, wenn es einem in diesem Land passieren kann, durch den Biss eines heimischen Tieres mit Tollwut infiziert zu werden. Darüber sollte man zumindest Bescheid wissen. Denn wenn man eine noch lebende Fledermaus aufsammelt und hat keine richtig dicken Handschuhe an, so kann sie einem durchaus in den Finger beißen. Dann haben wir Menschen das Glück, uns durch eine sofortige Impfung gegen Tollwut schützen zu können. Dieses Glück haben unsere Tiere dann nicht mehr…

Hier könnt Ihr noch mehr Informationen über Tollwut allgemein finden.  Hier steht noch einiges über die Fledermaustollwut.

Ich möchte jetzt hier aber nicht unnötig Pferde scheu machen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass man (Hund/Katze/Mensch) sich bei einer Fledermaus Tollwut einfängt. Schließlich ist der Durchseuchungsgrad der Fledermäuse ziemlich hoch und trotzdem gibt es keinen richtig bewiesenen Fall, in dem sich ein Mensch über eine Fledermaus mit Tollwut infiziert hat. Ich persönlich halte das Risiko für sehr viel größer, dass illegal nach Deutschland verbrachte Hunde Tollwut einschleppen. Aber wie dem auch sei: Besteht der Verdacht einer Ansteckung und ist das Haustier nicht geimpft, war es das. Und dieses Risiko möchte ich nicht eingehen, daher werden meine Tiere weiterhin gegen Tollwut geimpft.

Fakten Tollwut

Viele liebe Grüße
Uta

 

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