„Hat er es mit den Drüsen?!“ „Nein, Druse!“

(Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf mein Rechtschreibprogramm, dass stoisch und unbelehrbar aus Druse Drüse macht!) Ich möchte aber gerne von Druse berichten, einer bereits seit Jahrhunderten bekannten Infektionserkrankung des Pferdes, die überwiegend die Lymphknoten des oberen Atemtrakts befällt. Druse hat mit Drüsen nun mal nichts zu tun, auch wenn Lymphknoten gerne mal umgangssprachlich Lymphdrüsen genannt werden. Das ist aber falsch, weil Drüsen immer ein Sekret herstellen, so wie Schweißdrüsen oder die Bauchspeicheldrüse oder irgendeine der vielen hormonbildenden Drüsen. Lymphknoten stellen kein Sekret her, sie filtern die Lymphflüssigkeit und dienen als Sammelstelle und Ausbildungsort für die Zellen des Abwehrsystems (überwiegend Lymphozyten). Also Schluss jetzt mit Drüsen!

Gibt es Druse bei Pferden überhaupt noch?

Irgendwie habe ich den Eindruck, Druse war lange von der Bildfläche verschwunden. In den letzten Jahren höre ich aber immer häufiger von Druse-Seuchenzügen, die ganze Pferdeställe für viele Wochen lahm legen und von der Außenwelt isolieren. Und meistens ist es unklar, wo die Infektion ihren Ausgang genommen hat. Das liegt sicher auch daran, dass nicht alle Pferde, die Druse-Erreger ausscheiden und damit andere anstecken können, auch typische Symptome zeigen. Es gibt zum einen Pferde, die stumme Ausscheider sind, also selber gar keine Krankheitssymptome (mehr) aufweisen, zum anderen gibt es Pferde, die untypische Symptome zeigen, also z.B. kein Fieber haben und keine Abszesse ausbilden. Aber eins nach dem anderen.

Was ist Druse überhaupt?

Druse wird durch ein Bakterium hervorgerufen, das Streptococcus equi subspecies equi heißt. Pferde stecken sich an infizierten Pferden oder an verunreinigten Gegenständen  (z.B. auch Händen) an. Die Bakterien vermehren sich in den Lymphknoten der oberen Atemwege (Kehlgang, Luftsack, Hals, Ohrspeicheldrüse) und führen typischerweise zu hohem Fieber und zum Anschwellen der Lymphknoten.

Betroffene Lymphknoten bei der Druse des Pferdes

Meistens haben die Pferde gelblichen Nasenausfluss und in den Lymphknoten entwickeln sich eitrige Abszesse. Diese können die Atemwege einengen und neben der Atmung auch das Schlucken erschweren. Sind die Abszesse gereift, wird die Haut dünn und bricht auf. Der Eiter entleert sich und die Heilung setzt ein. Im Falle der Luftsacklymphknoten können sich die Abszesse auch in den Luftsack hinein entleeren. Der Eiter läuft dann aus dem Luftsack über die Nase ab oder verbleibt im Luftsack, wo er eindicken kann und zu einer chronischen Luftsackentzündung führen kann.
Im Normalfall heilen die Abszesse aber nach Öffnung ab. Die Pferde benötigen eine lange Genesungsphase, um die Krankheit vollständig und ohne Folgeschäden zu überwinden. Nach überstandener Druseinfektion haben die Pferde in der Regel eine mehrjährige Immunität gegen eine erneute Infektion, die sich aber im Laufe der Zeit abschwächt.

Weitere Verlaufsformen der Druse beim Pferd

Neben der beschriebenen typischen Form kann Druse aber auch anders verlaufen:

  • Leichte Form: geringes Fieber und Nasenausfluss, Schwellung der Kehlgangslymphknoten ohne typische Abszessbildung; diese Form wird nicht immer als Druse erkannt.
  • Metastatische Form: Abszesse treten auch in Lymphknoten innerer Organe auf. Eine zu kurze Rekonvaleszenzzeit kann dafür die Ursache sein. Dieser Krankheitsverlauf kann tödlich enden.
  • Deckdruse: Abszesse treten am weiblichen Genitaltrakt auf nach Bedeckung durch einen infizierten Hengst.
  • Kalte Form: Abszesse der Kehlgangslymphknoten treten ohne weitere Krankheitsanzeichen auf und werden häufig nicht als Druse erkannt.

Aus den verschiedenen Verläufen wird ersichtlich, warum immer wieder Druse „wie aus dem Nichts“ auftritt. Außerdem gibt es Pferde, die nach überstandener Infektion weiterhin die Bakterien in sich tragen und auch gelegentlich ausscheiden können. Von diesen Pferden geht eine ständige Infektionsgefahr aus, ohne dass sie selber auffällig wären.

Als Reaktion auf die bakterielle Infektion bekommen einige Pferde Nesselfieber oder  Morbus maculosus, auch Petechialfieber genannt. Beim Morbus maculosus führt eine überschießende Reaktion des Immunsystems zu einer Entzündung kleinster Blutgefäße. Die Wände der Blutgefäße werden dadurch durchlässig, so dass zunächst Flüssigkeit und schließlich auch komplettes Blut aus den Gefäßen in das Gewebe austreten kann. Die Folgen sind Ödeme an Kopf, Beinen und Bauch sowie Blutungen in die Haut, aber auch in inneren Organen. Petechialfieber kann tödlich enden.

Was muss ich wissen, wenn bei meinem Pferd Druseverdacht besteht?

Bei typischem Verlauf ist Druse einfach zu erkennen. Aber sonst? Der Nachweis der Druse-Erreger ist aufwendig. Man muss eine Probe von Nasensekret, Eiter oder eine Nasen- oder Luftsackspülprobe nehmen und diese im Labor bebrüten, damit die Bakterien sich vermehren (sollten sie vorhanden sein). Aus dieser Kultur wird dann mittels einer PCR der Erreger zweifelsfrei nachgewiesen. Bei stummen Trägern müssen allerdings häufiger Proben genommen werden, weil sie eben nicht immer die Bakterien ausscheiden.

Die Behandlung richtet sich nach dem Zustand und der Verlaufsform. So kann eine Antibiotikabehandlung in frühem Stadium die Abszessbildung verhindern, im späteren Stadium kann sie aber die Abszessreifung und damit die Heilung eher behindern. Schwer kranke Pferde können aber ggf. dennoch auch zu einem späteren Stadium von einer Antibiotikatherapie profitieren. Daher möchte ich mich hier gar nicht weiter dazu äußern, ein Tierarzt vor Ort muss entscheiden, welche Medikamente angebracht sind und welche nicht. Sind Abszesse vorhanden, können sie durch Duschen, Umschläge oder Einreibungen zum Reifen gebracht werden. Reife Abszesse werden kontrolliert gespalten und gespült. Weiches Schlappfutter erleichtert das Schlucken. Die kranken Pferde brauchen Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe.

Ganz wichtig ist es, die Verbreitung der Erreger zu verhindern. Die Pferde werden möglichst isoliert, bekommen ihre eigenen Gerätschaften und werden zuletzt versorgt. Am besten stellt man eine Desinfektionswanne vor die Box und verwendet eigene Schutzkleidung. Nach der Versorgung des Patienten werden die Schuhe desinfiziert, die Kleidung gewechselt und die Hände gewaschen und desinfiziert.

Alles, was man noch über Druse wissen muss, findet man als Download der Tiermedizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Auch die Pferdeklinik Burg Müggenhausen bietet hier gutes Infomaterial über Druse an und die sächsische Tierseuchenkasse hat hier Wissenswertes zum Thema zusammengestellt.

Und was bringt das jetzt?

Ich habe für mich folgende Lehre aus dem Wissen über Druse gezogen: Ich kann vielleicht nicht vermeiden, dass mein Pferd irgendwann an Druse erkrankt. Wenn das aber so ist, werde ich ihm ausreichend Zeit geben, um die Erkrankung wirklich auszukurieren. So hoffe ich zu verhindern, dass es ein stummer Träger und damit potenzieller Dauerausscheider der Bakterien wird oder dass die Krankheit einen schlimmen Verlauf nimmt.
Außerdem bin ich der Meinung, man sollte offensiv mit der Erkrankung umgehen, auch wenn man sich damit sicher nicht nur Freunde macht. Aber je mehr Leute von einem Ausbruch wissen, umso wirkungsvoller können Hygiene- und auch reine Vorsichtsmaßnahmen greifen und umso aufmerksamer beobachten andere Pferdesitzer ihre eigenen Pferde. So wird Druse langfristig hoffentlich wieder seltener!

Hier findet Ihr noch einmal die wichtigsten Fakten zu Druse im Überblick.

Herzliche Drüsen Grüße
Uta

2 Kommentare

  1. lotta@lottasblog.de'
    Lotta sagt:

    Was man bei euch alles lernen kann. Dank euch fühle ich mich heute schon wieder ein ganzes Stück klüger.
    Liebe Grüße und vielen Dank
    Prof. Dr.
    Lotta

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