Ein Leben im Elefanten-Dung

Bei diesem kalten Ohne-Schnee-Januar-Schlechte-Laune-Wetter flüchten wir gerne mal vor der Realität und gucken uns Fotos vergangener Urlaube an. Dabei fiel mir wieder ein, dass ich schon lange über diese lustigen Käfer namens Pillendreher schreiben wollte.

Pillendreher2

Ganz genau heißen sie Circellium bacchus, auf Englisch „Flightless Dung Beetle“ und auf Deutsch ungefähr Flügelloser Mistkäfer oder Afrikanischer Pillendreher.

Diese Käfer leben nur in einigen wenigen Gebieten Südafrikas und haben sich auf auf Elefanten- und Büffel-Dung spezialisiert. Da die Käfer vor dem Aussterben bedroht sind, stehen nicht nur die Käfer selbst sondern in einigen Gegenden auch Elefanten-Dung unter besonderem Schutz:

Schutzhinweis für Mistkäfer und Elefantendungr und ElLeider habe ich es versäumt selber ein Foto von diesem Schild zu machen, daher hier ein geliehenes von lokalkompass.de

Den Käfern dient der Elefanten-Dung nicht nur als Nahrung, sondern auch als Brutstätte. Sobald sich ein Pärchen (s.o.) für einen Dungballen entschieden hat, gilt es diesen in Sicherheit zu bringen. Meist ist das kleinere Weibchen am Zug, den Kotballen mit den Hinterbeinen vom vermeintlich gefährlichen Ort – wer will schon von einem Elefanten zertreten werden – in Sicherheit zu bringen. Das Männchen läuft hinterher oder sitzt sogar oben drauf. Das Weibchen rollt die Kugel in gerader Linie, also ohne Kurven oder sonstige Abweichungen, bis zu 80 Meter weit. In kurzen Abständen steigt es ab und guckt, ob die Richtung noch stimmt. Sobald der Dung auf einem weichen Boden liegt, wird er eingegraben. Dazu wird die Erde unter dem Dungballen weggeschafft, so dass der Kotballen immer tiefer sinkt. Und das geht natürlich VIEL besser, wenn obendrauf ein dickes Männchen  sitzt…

Wenn der Dung vollständig eingegraben ist, paaren sich die beiden. Anschließend legt das Weibchen ein einziges Ei in den Kotballen. Das Männchen verlässt dann die Brutstätte, während das Weibchen noch einige Zeit bei beim Dung verweilt. Es bilden sich nämlich bei der Zersetzung des Dungs immer wieder Pilze, die sie entfernt, damit die geschlüpfte Larve sich ohne gesundheitliche Bedenken vom Elefantenkot ernähren kann.

Die Entwicklung vom Ei bis zum adulten Käfer dauert etwa 120 Tage, nochmals 50 Tage später ist der Käfer geschlechtsreif. Pro Jahr kann ein Weibchen einmal ein Ei, sehr selten zweimal Eier legen.
Kein Wunder, bei diesem ganzen Aufwand!

Ihre Flügel (viele andere Mistkäfer-Arten können fliegen) haben sie vermutlich im Laufe der Evolution eingebüßt, um Platz für ein besonders ausgeklügeltes Atmungssystem zu schaffen. In ihrem Lebensraum herrscht immer wieder Wassermangel, daher versucht der Käfer so viel Flüssigkeit wie möglich einzusparen und eben auch nicht mit der Atemluft abzugeben. Und wer mal länger bei geschlossenen Fenstern und Türen im Auto gesessen hat weiß, wie viel Flüssigkeit wir mir der Atmung ausscheiden, genauso ist das auch bei Käfern!
Jedenfalls hat dieser Käfer  statt Flügeln scheinbar einen Kohlendioxid-Tank angelegt. Genau ist der Atmungsvorgang noch nicht geklärt, erste Erklärungsansätze kann man hier nachlesen.

Jetzt geht es mir schon viel besser! Verglichen mit diesem Käfer-Weibchen, das lebenslang mit Elefantendung beschäftigt ist, ist so ein bisschen Kälte ja der reinste Klacks!
Julia

 

Schreibe einen Kommentar