Varroa-Milben und die Bienen

Seitdem ich Bienen halte scheint es mir so, dass sich die ganze Welt plötzlich um Bienen dreht. In allen Wochenmagazinen, Tageszeitungen und sogar im Käseblättchen wird neuerdings über das Bienensterben berichtet. Gründe dafür sind neben Pflanzenschutzmitteln und Monokultur hauptsächlich Milben – und gegen diese kämpfe auch ich gerade!

Diese tote Milbe habe ich auf meiner Varroa-Windel gefunden

Was machen Varroa-Milben?

Die Varroa-Milbe ist etwa 1,4×1,1 mm groß, eher flach und hat acht Beine. Die weiblichen Milben sitzen gerne bei den Arbeiterinnen unter den Panzerringen und saugen Hämolymphe, sozusagen das Blut der Biene.
Um sich zu vermehren verlässt die weibliche Milbe die Arbeiterin, wandert in eine Wabe und lässt sich mit der Bienen-Larve/Puppe in einer Bienenwabe „einschließen“. In der Wabe vermehrt sie sich dann in aller Ruhe und saugt bereits bei der Puppe Hämolymphe. Mit Varroa-Milben befallene Bienen bleiben kleiner, leben kürzer, sammeln weniger und finden häufiger nicht in die Beute zurück.
Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Volk durch einen hohen Befall an Milben sehr schnell geschwächt wird. Und ein schwaches Volk schafft es nicht gut durch den Winter. Deswegen: auf in den Varroa-Kampf!

Für diejenigen, die vergessen haben wie das mit der Insekten-Entwicklung funktioniert, hier eine kurze Zusammenfassung:

Varroa3

Wie bekämpft man Varroa-Milben?

Ziel einer jeden Varroa-Bekämpfung ist es, möglichst viele Milben zu erwischen ohne auch nur eine einzige Biene – geschweige denn die Königin – zu töten. Und natürlich soll weder im Honig noch im Wachs irgendein Rückstand der eingesetzten Mittel bleiben.

Gegen einige der früher verwendeten Medikamente haben sich inzwischen Resistenzen gebildet, so dass man derzeit mehr auf organische Säuren setzt. Verwendet werden Milchsäure, Oxalsäure und Ameisensäure. Alle diese Säuren werden erst nach der letzten Honigernte eingesetzt. Die Bienen haben zu dieser Zeit natürlich auch noch Honig in der Beute, fressen diesen aber über den Winter selber auf, so dass der im nächsten Jahr zu erntende Honig unbelastet ist.

Als einzige der drei Säuren wirkt Ameisensäure auch in die verdeckelte Brut hinein. Da ich einige Königinnen-Probleme hatte, legen meine Bienen derzeit mit Brut nochmals richtig nach, um hoffentlich noch eine ausreichende Anzahl an Winterbienen zu schaffen. Deswegen fange ich mit der Ameisensäure-Behandlung gerade erst an, während meine Imkerkollegen damit schon fast durch sind. Dafür hatte ich etwa drei Wochen gar keine Brut (und leichte Panikattacken) und habe in dieser Zeit meine Bienen zweimal mit Milchsäure besprüht, um die Milben direkt zu töten.

Wie prüft man den Erfolg der Varroa-Behandlung?

Um den Behandlungserfolg zu überprüfen wird eine so genannte Varroa-Windel unten in die Beute gelegt. Die toten Milben fallen von den Bienen, bleiben auf der Windel liegen und können gezählt werden. Mit verschiedenen Rechnungen schließt man dann auf den tatsächlichen Milbenbefall.

Dieses Varroa-Windel lag 2 Tage in der Beute. Nun können die Milben gezählt werden

Mit Ameisensäure gegen Varroa-Milben

Meine Abendlektüre besteht momentan aus Veröffentlichen von Imkern, Bieneninstituten und Imkervereinen, denn die richtige Ameisensäure-Behandlung will gelernt sein. Ich habe inzwischen gelesen, dass es eine Schwammtuch-Methode von oben und eine von unten gibt (und einen Nassenheider-Verdunster und einen Liebig-Dispenser), eine Kurzzeit- und eine Langzeit-Behandlung möglich ist, dass man drei Tage vorher oder einen Tag danach nicht flüssig füttern sollte, dass die Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius liegen sollten, dass die Ameisensäure im Kühlschrank oder im Gefrierschrank gelagert werden muss, pro Wabe zwischen 2 und 3 ml Säure benötigt werden und dass es auf keinen Fall regnen darf.

Ich haben mich letztendlich entschieden 3 ml tiefgekühlte Ameisensäure pro Wabe auf ein Schwammtuch zu tropfen und dies unter die Waben zu legen. Theoretisch verdampft die Säure dann ganz langsam (über 24-48 Stunden, die Angaben sind auch hier weit gestreut) und die dadurch in der Beute entstehenden Säure-Dämpfe töten die Milben und nicht die Bienen.

Der Himmel war strahlend blau, als ich in Schutzkleidung auf dem Dach stand und die Säure in die Beute schob. Alle Wetter-Apps berichten von Sommerwetter. Drei Stunden später begann der Dauerregen und bei hoher Luftfeuchtigkeit verdampft natürlich gar nichts. Also muss ich wohl nochmals ran. Man soll die Behandlung sowieso 2-4 Mal wiederholen in einem Abstand von 4 bis 11 Tagen….

Mein Fazit: Der Wetterbericht ist auch durch viele neue Apps nicht zuverlässiger geworden!
Liebe Grüße, Julia

 

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